Es regnet draußen und die Tropfen prasseln auf die Fensterscheibe meines Autos. Ich freue mich riesig heute Nachmittag einen gelassenen Plausch mit meinen Freunden zu genießen. Wir wollen würzigen Kaffee und einen herrlich fluffigen Kuchen dazu haben. Klingt altmodisch ist aber mit Freunden einfach einzigartig. Das kann man heute gepflegt aber meistens nur in klassischen Konditoreien mit Rosendeckchen und bunten mit Teppich ausgelegten Hinterräumen bekommen. Die Damen würden schier mit der Stirn voraus in das Schwarzwälderkirschstückchen knallen, wenn ich und meine tätowierten, gepiercten und entzückend extravaganten schwulen Mädchen dort aufkreuzen würden. Klar dürfte heute kein Thema mehr sein aber unnötig Aufsehen erregen können heute andere. Wir feiern heute unsere langjährige Freundschaft und das Leben was wir führen. Das Café Brue in Mannheim verspricht uns genau das, was vorzeige Rentner jeden Sonntag zelebrieren. Nur eben mit mehr Grossstadt Flair und Kaffee Expertise. Denn hier geht es um den Kaffeegenuss, den „Helder & Leeuwen – Kaffeeroesterei“ verarbeitet, der Kuchen rundet lediglich die Veranstaltung ab. Ich zupfe meine hellblonden Haarspitzen zurecht als ich das Foyer des Hotels Radisson Blu betrete. Für Sekunden fühle ich mich in meinen letzten Stockholm Aufenthalt zurück versetzt und bestaune das atemberaubende Design des Mobiliars und der wahnsinnig schönen Hängeleuchten der ewig hohen Glas und Beton Wände. Ich bin das erste mal hier und jetzt schon beeindruckt. Rechts kann man schon die schlichte aber einladende Bar des Brue sehen. Ein blondes hübsches Mädchen begrüßt mich freundlich und stört sich nicht an meinen staunenden Blicken, die durch das kleine aber edle Café streifen. Axel sitzt bereits an einem schönen Tisch und wartet vor seiner Bestellung. Ich falle ihm in die Arme und wir sagen uns wie üblich dass wir uns lieben. Seinen Kaffee und das saftige Stück Möhrenkuchen hat er aus Respeckt vor meiner irren Foodbloggerei nicht angerührt. Ich muss lachen und schieße natürlich schnell ein paar Schnappschüsse nachdem ich alles nach meinem Geschmack herumgestellt hatte. Ich bestelle nach einem kurzen Blick auf die scheinbar handgeschriebenen Karten die auf rustikalen Holzblöcken gespannt sind und entscheide mich spontan für einen Milchkaffee und Schokoladenkirschstreusel. Gekonnt erkundigt sich die Bedienung, ob ich meine Getränkewahl mit Espresso oder Kaffee möchte. Das fand ich super, denn oft kann ich nach starkem Espresso nachts stundenlang die Sterne zählen. In diesem Moment treffen auch schon Mo, Axels hübsches Adoptivkind, Rouven, Denny und Madamme Fouré ein. Das goldiges Rudel kleiner Pincher Rudi, Sancho und Pancho darf nicht fehlen. Als ob wir nicht genügend für Aufregung sorgen. Ein fleißiger junger Mann mit interessantem italienischen Namen nimmt ihre Bestellung auf. Penibel beantwortet er jede Frage zu Geschmack und Röstverfahren oder Herkunftsland der angebotenen Kaffebohnen. Da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht. Kleine Holztabletts mit Kaffee und Milch Karaffen eilen an den Tisch und machen mächtig was her. So kann man man selbst nach Geschmack sein Getränk herstellen. Nach meinem geknipse ist es allen erlaubt sich über die Köstlichkeiten dieses Cafés herzumachen. Ich bin überrascht, wie köstlich dieser Kuchen ist. Die herbe Schokolade passt hervorragend zur saueren Kirsche und ein Hauch Marzipan kitzelt meinen Gaumen. Wir lachen und witzeln wie eh und je und haben jede Menge Spaß zusammen. Der Kaffe ist kräftig und sahnig und ich muss mir auf die Schulter klopfen. Ich habe mal wieder einen passenden Rahmen für unser Schauspiel gefunden. Wir reden über alte Zeiten, Styling, Karma und Bitches. Aber wir wissen die Vorzüge unseres kreativen und rastlosen Lebens zu schätzen und lieben. Ich habe seit langen mal wieder so gelacht und wirklich Spaß gehabt. Nach einem erneuten Rundgang durch das Brue, treffe ich Tom, einen heißen Tätowierer aus der Szene, der mit einem süßen Mädchen zum Kaffee verabredet ist. Wir freuen uns über den Zufall uns hier zu treffen und ich quatsche kurz über die wunderbaren künstlerisch gestalteten Tafeln, die hier überall aushängen. Seine Freundin ist natürlich die Künstlerin “Cloudclimber” und ich bin erneut entzückt über diesen Tag voller interessanter, kreativer Menschen die diesen Raum füllen. Ich will mehr über ihre Arbeit erfahren und merke mir den Namen. Ich könnte ewig hier verweilen. Bevor wir uns verabschieden weil das Café schließt, lässt das Brue noch eine Runde ihrer fein herben heißen Schokolade springen. Sie ist unsagbar lecker und neben der hausgemachten Limonade ein absoluter Geheimtipp. Kleine Familien mit Kindern sitzen hier neben coolen People und Geschäftsleuten. Mannheim ist ein wilder Birdcage und ich liebe diese Stadt dafür. Das Brue bringt alle Schichten zusammen, die hier gemeinsam wunderbare Kaffeekultur genießen wollen und eine schöne Zeit haben, egal ob Blogger, Reisender oder Neurochirurg.

Café Brue  

Cloudclimber

Radisson Blu Hotel 

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