Ich habe Stacheln wie ein Kugelfisch. Ich bin genervt und die rasierklingenscharfen Härchen reiben wie Schleifpapier an meinen Schenkeln, als sich mich erneut in meine Bettdecke zurückziehe. So kann ich nicht unter die Leute, denke ich und nehme mir fest vor gleich nach dem Frühstück mit meinem Sonntags Beauty Special loszulegen. Doch zuerst brauche ich ein ordentliches Rührei, ein Avocadotoast und einen cremigen Milchkaffee. Die Sonne strahlt durch die Jalousien und ich genieße die Ruhe am Wochenende mit meinen Jungs. In zwei Tagen ist mein Geburtstag und ich mache mir immer noch Gedanken über den Kuchen den ich backen soll. Ich binde mein Haar zusammen und den Bademantel enger. Aus meinem Badschrank krame ich etliche Utensilien und Pflegeprodukte heraus und bin voll motiviert. Ich schmiere mir vorsichtig eine schwarze Reinigungsmaske mit Aktivkohle gegen Hautunreinheiten in mein Gesicht. Ich will ehrlich sein, diesen tollen Effekt wie in den Werbespots versprochen, bringt sie bei mir jedenfalls nicht. Aber spürbare frische und ein glatteres Hautbild irgendwie schon. Also schmiere ich weiter die kalte Paste auf meine Haut. Das extra lange Netzteil meines Epilierers reicht super von der Steckdose bis zur Wanne. So kann ich mich an den Rand der Wanne setzen und die vielen kleinen herumwirbelnden Härchen direkt auffangen. Ich frage mich, wie das andere so machen?
Sanieren sie hinterher das Badezimmer oder balancieren sie gekonnt im Spagat um das Waschbecken herum. Ich muss lachen, denn dass habe ich auch schon so einige Male gemacht.
Der Epilierer zupft und zieht an meiner Haut und an Stellen wie Knie und Knöchel empfinde ich es als besonders unangenehm. Man gewöhnt sich aber an alles irgendwann.
Ich streiche mit der flachen Hand über mein Bein und bin enttäuscht. An dieser Stelle ist zwar kein Haar mehr zu sehen aber seidenglatt, wie in der Werbung ist sie nicht. Was mach ich falsch? Nach etwa 15 Minuten bin ich durch. Gott sei dank, das Geratter kann einem ganz schön auf den Keks gehen. Ich betrachte meine rot getupften Beinchen eher unzufrieden und schraube die Dose mit dem Kokosfett auf. Ich habe gelesen, dass Kokosöl ein Wundermittel sei und rede mir ein, die Lösung meines Problems gefunden zu haben. Es lässt Haare glänzen, Wimpern wachsen und Haut mit nötiger Pflege versorgen. Mit einem kleinen Schwämmchen tupfe ich es auf die gereizte Haut und hoffe auf ein Wunder. Mit lauwarmen Wasser spüle ich alles langsam wieder ab und befreie den Tatort von lästigen Härchen. Mit einem Handtuch trockne ich meine Beine ab und creme sie mit einer reichhaltigen Pflege ein. Glatt sind meine Beine immer noch nicht. Die roten Tupfen sind auch noch immer da. Ich gebe auf. Das nächste mal versuche ich es doch mit Wachs oder Nassrasur. Liegt das am Alter oder warum habe ich das Gefühl, dass früher alles einfacher war. Mit Einwegrasierern habe ich jeden Tag meine 16 jährige Beine ohne Reue gequält. Und sie waren glatt. Mein Gesicht spannt und an einigen Stellen löst sich die Peel off Maske ganz von selbst. Ich ziehe sie von meinem Gesicht und entferne kleine Reste mit den Fingerspitzen. Mit einer elektrischen Reinigungsbürste, die ich mir für viel Geld geleistet habe, massiere ich noch eine Gesichtspflege ein und hoffe da auf ein besseres Ergebnis. Das Wasser prickelt in meinem Gesicht und ich fühle mich wie neu geboren. Mit rosigen Wangen und Schweinchenglanz verlasse ich das Badezimmer und freue mich auf den Filmnachmittag mit Mann und Kind. Im Bademantel und mit latent scharfkantigen Beinen…

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